angeregt durch das schreiben mit rocknrollqueen hier etwas über unsere netten oststaaten, im schwerpunkt russland (bitte nicht rassistisch auffassen, ist mal ernstgemeint von mir - wo ist der Ernst-Smylie???????)
dieses interview ist aus dem spiegel.. ja passt auch gut zu mediengewalt.. aber ich finde da ist viel wahrheit drin... haben selber mehrere Russen auf arbeit und leider passt es wie die faust aufs auge.. - wobei immer bemerkt - so ist mein empfinden...
Nur ein Teil vom Interview.. komplett ist es hier zu finden
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokumen ... op=SPIEGELGächter: Nein. Auch dort gibt es eine Bereitschaft zur Kooperation. Das Problem taucht im zweiten Teil unseres Experiments auf, bei der Bestrafung. Während im Westen die Schmarotzer für ihr asoziales Verhalten abgestraft wurden, geschah das in jenen Ländern etwas verhaltener. Dafür wurden aber diejenigen Teilnehmer bestraft, die andere bestraft hatten - und zwar massiv. Und es half ihnen dabei überhaupt nichts, wenn sie selbst brav Geld in den Gemeinschaftstopf eingezahlt hatten.
SPIEGEL: Wie bitte? Die Schmarotzer bestrafen die Gutmenschen dafür, dass sie sich sozial verhalten?
Gächter: Wir waren selber überrascht. Mein Co-Autor Benedikt Herrmann hat das in seiner Promotion, die er in der russischen Stadt Kursk gemacht hat, zum ersten Mal beobachtet. Erst dachten wir, es handle sich um einen Zufall. Doch dann haben wir unser Kooperationsspiel in Belgorod, in Katherinenburg und in Samara wiederholt - mit immer dem gleichen Resultat. Die Sozialen wurden bestraft, die Kooperation sank auf desaströse Werte. Wer selbstsüchtig handelt, hält den Gutmenschen offenbar für so etwas wie einen Verräter.
SPIEGEL: Eine Mutter-Theresa-Type macht die Mitmenschen also misstrauisch?
Gächter: Ein bisschen schon. Sozialpsychologen haben das gerade untersucht und erklären es sich damit, dass Gutmenschen einen selbst schlecht aussehen lassen im eigenen Egoismus. Man besänftigt das eigene schlechte Gewissen, indem man den Gemeinsinnigen zurechtweist.
SPIEGEL: Können Sie sich erklären, warum ausgerechnet die Russen so anfällig für dieses Verhalten zu sein scheinen?
Gächter: Die sind durch eine lange Phase des Kommunismus gegangen.
SPIEGEL: Wo der Gemeinsinn oberste Staatsdoktrin war!
Gächter: Ja, aber auch nur das. In Wahrheit waren die Kooperativen doch Betrugsgesellschaften. Der Direktor hat auf der obersten Ebene getrickst, um an Subventionen heranzukommen, und die Mitarbeiter haben den Direktor betrogen, um möglichst viel links und rechts mitgehen zu lassen.
SPIEGEL: Heute ist Russland aber doch ein straffer autokratischer Staat.
Gächter: Ja, aber das Gefühl von Willkür, von Ausgeliefertsein existiert fort. Nehmen Sie das Beispiel des ehemaligen russischen Milliardärs Michail Chodorkowski. Was immer man von ihm hält, er war der größte Steuerzahler Russlands. Er wurde dennoch wegen angeblicher Steuerhinterziehung verhaftet. Wenn Sie für den Rest der russischen Elite ähnliche Maßstäbe anlegen würden, müssten viele nach Sibirien verbannt werden.
SPIEGEL: Welchen Einfluss hat denn der riesengroße Reichtum, den das Land sich jetzt erschließt?
Gächter: Leider keinen guten. Öl und Gas sind monopolisierbare Ressourcen, man setzt sich einfach drauf und hält alles unter seiner Kontrolle. Um Marktwirtschaft, noch dazu eine soziale, muss man sich da nicht kümmern. Reichtum lässt sich also prima unter einer kleinen Gruppe von Menschen verteilen - was uns zu einem zentralen Gefahrenpunkt für jedwede Kooperation bringt: Aus seiner Stammesgeschichte ist der Mensch es gewohnt, mit seiner genetischen Gruppe zu kooperieren - der Familie oder der Sippe. Auch Oligopole wie in Russland funktionieren nach diesem Prinzip. Im Innern sind sie extrem kooperativ, nach außen aber genau das Gegenteil. So erklären wir uns ein gutes Stück jenes unkooperativen Verhaltens, das wir in unserem Experiment in autokratischen Ländern wie Russland, aber auch in den arabischen Staaten beobachtet haben.