Sooo, zunächst mal nen Schwank aus meinem Leben. Nehmts als Coming out oder was auch immer...
Achtung, lang
What is the frequency?
Ein Text der einen Schwank aus meinem Leben beschreibt, Fehler, Höhen, Tiefen und diverse Partys.
Das Telefon klingelte. Genervt stellte ich den Bong zur Seite und raffte mich vom Sofa auf. Meine Eltern oben riefen schon wieder irgendetwas von wegen nix Party heute weil ich demnächst ne Mathearbeit zu schreiben hätte. Mir egal, was sind denn Eltern und von was haben die schon ne Ahnung? Also ran an Telefon. Mit einem entnervtem Ja meldete ich mich wie gehabt. „Ey, Alter, wie geht es Dir? Heute Abend steigt ne Riesenparty in den alten Bunkern. Soll der absolute Hammer werden. Wie sieht es aus? Bist dabei? Wir brauchen nämlich ein Auto, einen Fahrer und jemanden mit guten Connections.“ Sofort verflog das Doop aus meinem Gehirn und ich war sofort wieder da. „Logisch, wann, wo, und wie viel soll ich für wen organisieren? Ach ja, sieh zu dass Du Deinen verdammten Arsch hierher bewegst und von allen die Kohle einsammelst. Hab keinen Bock wieder bei dem Macker im Rückstand zu stehen und hier die Russen vor der Tür zu haben.“
Ich ging wieder zu meinem Sofa das schon eine Mulde von meinem Arsch hatte und mich wieder zu sich rief. Erst mal stopfen, anzünden, rinn damit. So, jetzt kann ich auch wieder klar denken. Also, wie läuft der Plan? Duschen, telefonieren, losfahren, Party. Guter Plan. Und so weise. Wo zum Teufel bleibt der Kerl? Sind schon 30 Minuten um.
Ca. 15 Köpfe weiter. Inzwischen war mein Kumpel bei mir und er erdreistete sich tatsächlich meine letzte Mische wegzurauchen. Prima, jetzt muss ich auch noch zu dem Macker mit dem verfluchten Doop. Na ja, was soll’s, wenn wir eh schon in die Ecke müssen. Also rein ins Auto und die Typen abgrasen. Natürlich darf der Joint am Steuer nicht fehlen, die Bässe rollen durch die Karre dass einem das Hemd gebügelt wird und ach ja, wie konnte ich das Pils vergessen?
Endlich kommen wir bei dem Typen an bei dem ich die ersehnten Dinge für die Party organisieren kann. Wie viel brauchen wir? 23 Pillen, 15 Gramm Koks, 3 Trips und 10 Gramm Speed? Na, mal sehen was er für einen Preis macht.
Also rein da. Die Bude war so was von verraucht und überfüllt dass man sich fragte wie er die 20 Leute in seinen ca. 25 qm unterbrachte. War wohl nix mit alleine quatschen. Durch die laute Mucke war ich gezwungen laut zu reden, bzw. zu schreien, so konnte leider jeder mitkriegen was mein Anliegen war. Na ja, egal, man ist ja unter sich. Der Preis war jedenfalls gut und so ergab es sich dass mein Kumpel und ich uns schon mal bei ihm quasi aufwärmten.
Wieder rein ins Auto und aufgedreht die Mucke. Plötzlich kamen wir darauf dass meine Anlage definitiv zu wenig Power hatte. 1000 Watt mehr wären wohl nicht schlecht. Nach diversen roten Ampeln, die mich aufgrund von Farbenblindheit nicht wirklich interessierten, kamen wir bei nem anderen Kumpel an. Erst mal nen Bong, zum runterkommen. Ist ja schon peinlich, unser Redeflash. So meinte unser Kumpel jedenfalls.
Wir stürmten mit so etwa 12 Mann die ersehnte Party. Wirklich, alles nett aufgebaut, die Laser brachten mein verstrahltes Gehirn zum grinsen und so verschwand ich sofort auf der Tanzfläche und tanzte meine überschüssige Energie aus meinem Körper.
Nach etwa 5000 Liter verlorener Körperflüssigkeit setzte ich mich in die Ecke die wir für uns besetzt hatten. Wasser? Nix Wasser, wo ist das Bier das wir mitgebracht hatten? Oh, hier geht gerade ne Tüte rum. Wie praktisch. So saßen wir da, alle Mann, die einen auf Pillen, die anderen auf Koks, andere auf Speed oder auf LSD oder wie ich, so ziemlich auf allem. Mann, sind die Farben hier so komisch, oder kommt das nur mir so vor? Wie auch immer, die Bässe rollten und wir waren fröhlich.
Eine Woche später. Ich war gerade in der Lehre und eigentlich dachte ich keine weiteren Probleme zu haben. Bis mein Meister mich in sein Büro rief.
„Marcel, eigentlich dachten wir in Dir einen fähigen und fleißigen Mechaniker zu finden, und zuerst war es auch so, aber seit so etwa einem Jahr bist Du irgendwie anders. Du vergisst viel, bringst Deine Arbeit nur zur Hälfte zu Ende und erscheinst mir auch sowieso sehr unmotiviert.“ Ich grinste ihn unverhohlen an, sagte aber nichts. In meinem Kopf schwirrte nur der Gedanke dass er sowieso keine Ahnung hätte, geschweige denn von Partys.
Wie auch immer, ich unterschrieb also die Abmahnung und machte mir keine weiteren Gedanken um den Kram.
So verging noch eine ziemlich gewaltig lange Zeit voller Drogen, Sex, Spaß und vielen, vielen Partys. Die Lehre schloss ich ab und ging daraufhin für vier Jahre zum Bund.
Ein großer Wermutstropfen war dass meine langen, heissgeliebten Haare sich auf dem Boden des Friseurs ausbreiteten. Mit den Drogen hatte ich schon etwa ein Jahr abgeschlossen. Mir wurde irgendwann klar dass ich definitiv zu viele Gehirnfürze hatte und außerdem gab es damals ein Mädchen und einen ziemlich fiesen Unfall. Das ist aber eine andere Geschichte.
Dennoch, selbst nach einem sagenhaften Jahr Abstinenz, war der damalige Einfluss von Chemikalien nicht zu leugnen. Ich sah zwar nicht danach aus, nicht mehr, aber gelegentliche Aussetzer waren noch an der Tagesordnung. Zwar weniger, aber noch da.
Die Bundeswehr tat mir jedenfalls gut, aus den Drogen wurde der Alkohol, zwar nicht in Mengen, aber auch so kann man schöne Partys machen. Nach ca. einem halben Jahr fuhren wir mit 5 Mann in eine Disco zwischen Flensburg und Husum, wo ich stationiert war.
Voll wie eine Haubitze torkelte ich durchs das Fantasy (Tarp) und beschloss dann irgendwann auf einem Tisch einzuschlafen. Ein Rausschmeißer weckte mich aus meinen Träumen und empfahl mir entweder Party zu machen oder doch bitte zu gehen. Ich ging nicht und lernte so meine damalige Freundin kennen.
Sie war so etwas wie ein Lichtschein in der völligen Nacht. Ich hatte wieder jemanden zum Vertrauen, ein junges Mädchen, von meiner Vergangenheit keine Ahnung, und so sollte es auch verdammt noch Mal bleiben.
Dachte ich. Mit ihren damals 18 Jahren hatte sie es mindestens genauso faustdick hinter den Ohren wie ich. Das erfuhr ich aber erst nach ca. 3-4 Monaten.
Wir gingen in eine Disco in Flensburg, wo sie wohnte, die Bässe rollten und der Trance, mit dem ich eigentlich abschließen wollte, war verdammt gut. Irgendwann setzte sie sich neben mich und hatte Augen die so verdammt groß waren dass sie den ganzen Raum hätten bestrahlen können. Wie gesagt, sie wusste nichts von meiner Vergangenheit. Jedenfalls war sie der Meinung ich würde nichts bemerken. Aber nach Jahren der Erfahrung kann ich es schon am Schweiß riechen ob jemand drauf ist oder nicht. So saß sie neben mir, rollig wie nichts, ihre Zunge wusste schon nicht mehr wie sie sich bewegen sollte, und auf einmal hatte sie Lust auf nen BJ.
Also rauf auf die Toilette. Vielleicht kann ich ja meinen Nutzen daraus schlagen.
Ihr Mund war so verdammt trocken dass selbst diese Sache keinen Spaß machte. So drückte ich sie zur Seite und ging mit ihr in eine ruhige Ecke in der man in Ruhe reden kann.
Ihre Ohren hingen als ich ihr erzählte dass ich es sehr wohl bemerkt habe was sie hat, es Verurteile und es nicht wirklich gut fände. Ich erzählte ihr meine Geschichte, und all die Sachen die die Drogen mir versaut hatten.
Dennoch, ihren Rausch wollte sie abfeiern. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der festen Meinung dass Drogen nicht abhängig machen. Bis zu diesem Abend. Sie erzählte es natürlich ihrer besten Freundin die auch auf der Party war und mindestens genauso dicht war wie sie selbst. Die fand meine Meinung nicht so prickelnd, und einen Wodka O später, ohne mein Wissen, war ich auf deren Level.
Natürlich bemerkte ich was mit mir getan wurde, verurteilte es zuerst und war stinksauer. Aber die Pille war verdammt gut und so versank ich bald in den Lichtern und den Bässen, es ging mir gut. Dieses lang vermisste Gefühl breitete sich wieder in mir aus…
Am nächsten Morgen wollte ich meine Freundin dafür rügen, sie anschreien, aber diesmal war der BJ gut. Ich legte die Sache also ad Akta und schwor mir nie wieder davon zu sprechen.
Dennoch versank ich wieder für 2 Jahre in dieser Scheinwelt, mit ihr. Diverse Partys, durch gute Kontakte auf der Love Parade auf dem Wagen tanzen, Sex, Redeflashs und wieder diese verfluchten Gehirnfürze.
Beim Bund verlief es dann ähnlich miserabel wie damals in der Lehre, und diesmal konnte mir nur ein guter Freund helfen aus dieser Misere zu kommen. Nicht weil ich nicht von selbst damit aufhören wollte, sondern weil ich damit aufhörte und meine Partnerin exzessiv weitermachte. Ich brauchte jemanden zum reden, nicht mehr.
Die Bundeswehr ging vorbei, sowie die Drogen, und ich ging zur Uni in Hamburg um zu studieren. In dieser Zeit zerbrach auch meine Beziehung. Immerhin, 6 Jahre gehalten.
Ich schloss das Studium ab und bin jetzt tatsächlich Dipl. Ing.
Viele Gedanken an die damalige Zeit begleiten mich noch heute, und zwar fast täglich. Die Gehirnfürze sind vorbei, sofern man das normale, gesunde Maß nicht einberechnet. Scheinbar ist das Gehirn tatsächlich in der Lage wieder auf den alten Stand oder gar mehr trainiert zu werden. Man gut für mich. Neulich machte ich nur aus Spaß einen Drogentest, nur um zu erfahren ob ich wirklich „Clean“ bin. Ja, nichts mehr da. Nichts. Aber dennoch, ich war in der Zeit der Ungewissheit unheimlich ängstlich. Was will ich euch mit diesem verf…. Artikel sagen, liebe Leute? Im Prinzip nicht viel, nur eines. Stille Wasser sind tief, viele meiner engsten Freunde wissen und ahnen bis heute nichts davon.
Viele der Soldaten entfliehen ihrer Welt indem sie sich mit Drogen oder Alkohol das Frontleben versüßen. Nur merken sie nicht dabei dass sie sich mehr und mehr von ihrem wirklichen Leben verfremden.
Charles De Gaulle (1890-1970)